top of page
schwarzer Hintergrund

100km durch den Thüringer Wald

Aktualisiert: 27. Okt.



Die Vorbereitung  


ree

Nach mehreren Marathons in den vergangen Jahren und verschiedenen Läufen mit bis zu 74 km, war für mich die logische Konsequenz, letztes Jahr den nächsten Meilenstein ins Auge zu fassen. Das Resultat, eine Anmeldung Anfang des Jahres, mehr oder weniger spontan, für den 16. Thüringen Ultra. Der Lauf über 100 km und 2200 Höhenmeter durch den Thüringer Wald, also quasi bei mir vor der Haustür, sollte das sportliche Highlight des Jahr werden. Die anfängliche Motivation wandelte sich im Laufe jedoch immer mehr zu einem Druck um, mehr Laufen zu müssen. CrossFit, Hyrox und Krafttraining machen mir natürlich weiterhin viel Spaß und so viel es mir schwer, Trainingseinheiten mit Gewichten gegen Einheiten auf der Laufbahn oder im Wald zu tauschen. Ein 50 km Lauf und einige Läufe über 20 bis 30 km Standen am Ende der Vorbereitung auf der Liste. Die Kilometerumfänge wie sie der Trainingsplan vorgeschrieben hatte, waren dennoch nicht erfüllt. Trotzdem ging ich höchst motiviert, aber mit einer ordentlichen Menge an Aufregung und Unsicherheit an den Start. 






ree

Der Start


Da der Lauf Samstag früh um 4 Uhr starten sollte, ging es am Freitag Nachmittag schon nach Fröttstädt. Nachdem in einer kleinen Turnhalle die Matratze für die Nacht hergerichtet wurde, ging es zum Abholen der Startunterlagen. Im Start und Ziel Bereich gab es Nudeln für alle Teilnehmenden. Der von uns mitgebrachte Nudelsalat wirkte von außen bestimmt etwas viel, wir waren aber froh mehr als ausreichend Nudeln zu haben. Mit den anderen Läufern wurde nun noch gemeinsam das Deutschland Spanien Viertelfinale geschaut, bevor alle sich zum Schlafen zurück zogen. Am Samstag morgen, war ich vor dem Wecker wach. 3 Uhr saß ich beim Frühstück. Bei Kaffee und Brötchen konnte ich mich schonmal einstellen auf das was vor mir lag. Dann ging es noch schnell zum Auto und umziehen bevor ich mehr oder weniger ungewollt schon vor dem offiziellen Beginn zur Startlinie joggen musste, um pünktlich eine Minute vor 4 Uhr am Start zu stehen.  




ree

Die ersten 50 km 


Nach dem Start ging es erst einmal im morgen Grauen, umgeben von Lichtkegeln der Stirnlampen über Fahrradwege Richtung Wald. Nach gut einer Stunde stand dann der erste längere Anstieg an. Durch dichtes Gras ging es Berg auf. Im Tal hinter uns ging gerade die Sonne auf, was das ganze zu einem wirklich beeindruckenden Moment machte. Der warme Wind der einem entgegen wehte, ließ die bevorstehenden Temperaturen erahnen. Fleißig hielt ich mich an meine Vorgabe, frühzeitig anzufangen mit essen und trinken, auch wenn ich noch keinen Durst oder Hunger hatte. Die Verpflegungsstationen, die alle 5 km circa kamen, boten alles was ich benötigte. Während so langen Läufen ernähre ich mich größtenteils von Salzstangen, Käsebroten, Gummibärchen, Haferriegeln, Wasser, Tee und Cola. Die Wassermelone die ab und an angeboten wurde nahm ich dankend dazu. Mein erstes größeres Energietief hatte ich dann kurz vor Kilometer 50. Die Sonne war nun bei voller Kraft und meine Beine ließen zum ersten Mal größere Müdigkeit spüren. Nach 4 gequälteren Kilometer war dann jedoch Halbzeit erreicht, was neue Energie freisetzte für die zweite Hälfte des Laufes. 




ree

Kilometer 50 bis 100


Im Höhenprofil hatte ich schon vor dem Lauf gesehen, dass es ab Kilometer 55 längere Zeit steil bergauf gehen sollte. Dementsprechend versorgte ich mich besonders gut vorher und gönnte mir, mich für 1 Minute kurz hinzusetzen. Diese letztendlich einzige Pause des gesamten Laufes reichte, um den Berg anzugehen. Zu dieser fortgeschrittenen Zeit im Rennen war es für mich effektiver, die Berge schnell hoch zu gehen und so mehr Energie zu behalten um dann auf den Downhills und Geraden noch laufen zu können. Mit dieser Taktik ging es immer weiter, bis bei km 73 das erste mal meine linke Wade zu krampfen begann. Durch Magnesium Tabletten und zusätzliches Salz konnte ich die Krämpfe etwas unter Kontrolle bekommen um größtenteils weiter laufen zu können und nur selten gehen zu müssen. Die letzten 20 km stellten die größte Herausforderung dar. Die körperliche sowie mentale Ermüdung war nun deutlich zu spüren. Bei km 87 kam dann plötzlich ein Unwetter auf, welches innerhalb weniger Minuten einen enormen Starkregen mit sich brachte. Das schenke mir jedoch eher ein paar Kilometer, da ich nun noch mehr motiviert war schneller im Ziel zu sein und einige Kilometer mit neuer Energie relativ schnell laufen konnte. So ging es in die letzten 10 km, welche körperlich sehr belastend waren, aber nun ein einstelliger Countdown an Kilometern bis ins Ziel. Nach 12:38 hatte ich es dann geschafft, das Ziel war erreicht und ich war wieder in Fröttstädt.




ree

Danach


Im Ziel war ich einfach nur froh es geschafft zu haben. Die ganze Belastung fiel ab und ich wusste, dass ich mich endlich setzen kann. Gehen stellte sich schnell als eher schwierig heraus. Gerade die Wade, aber auch der Rest der Beine hatte keine Energie mehr. Im Auto auf der Heimfahrt, war ich mir sicher, eine solchen Lauf mit derartiger Belastung nicht nochmal zu laufen. Doch mittlerweile weiß ich, die Zeit mit tollen Menschen die mich begleitet haben, mit anderen Läufern kurz auf der Strecke zu quatschen, die Natur zu erleben und sich selber körperlich so herauszufordern, haben Sucht Potenzial. Die nächste Herausforderung wird kommen …

Kommentare


Melde dich hier zum Newsletter an.

© Jannes Müller 2025

bottom of page